„Wenn das Leben dir Zitronen schenkt, mach Limonade draus.“ Unbekannt

Als sich das letzte Kalenderjahr mit großen Schritten dem Ende näherte, traf ich intuitiv die Entscheidung, weniger zu unterrichten. Ich wollte zur Ruhe kommen, mir überlegen, wie es für mich beruflich weitergehen sollte, was ich mit all dem Wissen, das ich durch meinen Grundberuf sowie durch meine Liebe zur Bewegung und durch das Unterrichten von Pilates und v.a. von Yoga erworben hatte, machen könnte. Bis Ende dieses Jahrs wollte ich mir Zeit geben, so der Plan.

Plötzlich war sie da, die Ruhe – ab Mitte März kam sie mit voller Lautstärke. Meine beiden Standbeine gerieten ins Wanken, sowohl meine Teilzeittätigkeit als auch meine Stunden, die ich mir mit sehr viel Engagement aufgebaut hatte.

Was tun? Natürlich war ich nicht alleine betroffen, sondern viele andere auch. Das war mir schon klar. Half mir das wirklich weiter? Ehrlich gesagt, nein. Ich habe die Tendenz wegzulaufen, wenn es richtig unangenehm wird. Unerfreuliche Dinge ansprechen, vermeintlich negativ auffallen, eventuell nicht die Erwartungen anderer Menschen erfüllen? Das war mir fremd. Ich könnte ja nicht mehr gemocht werden, oder, oder … Eines der Muster, die sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen, kam zutage. ‚Auf und davon‘ war dieses Mal einfach nicht möglich.

Wie aus Zitronen Limonade wird

So war ich gezwungen, die Zitrone in die Hand zu nehmen. Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die in Selbstmitleid baden, krempelte ich die Ärmel hoch. Sollte ich es wagen, noch einmal zu studieren oder eine Ausbildung zu machen? In meine alten Tätigkeit als klassische Unternehmensjuristin wollte ich nicht mehr zurück. Gleichzeitig wurde mir während des Lockdowns klar, dass ich bestimmte Dinge nicht vermisste und auch nicht wiederhaben wollte. Zudem zu erkennen, dass ab einem gewissen Zeitpunkt im Leben nicht mehr alle Türen offenstehen, war und ist schmerzlich.

Mittels eines Mentoring Programms holte ich mir Hilfe, da ich nicht so wirklich weiterkam.  Ich schrieb seit Längerem die ersten Bewerbungen und siehe da, es klappte!

Mein erster Arbeitstag steht kurz bevor und ja, es fühlt sich ein bisschen wie der 1. Schultag an, freudig und gleichzeitig gespannt. Das Unterrichten werde ich nicht aufgeben, allerdings sehr reduziert. Es muss ja nicht immer „entweder-oder“ sein. 

Open to Grace

Vertrauensvoll wende ich mich dem Unbekannten zu und lasse mich darauf ein, was da kommen mag. So schlimm ich die aktuelle Situation gerade empfinde und mir nichts sehnlicher wünsche als das Ende dieses Alptraums, durfte bzw.  darf ich einiges über mich lernen. Nicht zuletzt unterstützt mich meine Yogapraxis, insbesondere der Aspekt „Open to Grace“ – eines der wichtigsten Prinzipien des Anusarayoga, das ich schon mehrere Jahre übe: das Leben in seinem ganzen Spektrum annehmen und sich dabei gerade auch den unangenehmen Aspekten öffnen. Diese Bereicherung möchte ich auch zukünftig teilen.

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